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Low-Volatility-ETFs: Mehr Ruhe im Depot in stürmischen Zeiten

16. März 2026

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Low-Volatility-ETFs: Mehr Ruhe im Depot in stürmischen Zeiten

Krieg, Energiekrisen, Zinsschocks – die Kurse springen rauf und runter, und viele Anleger fragen sich: Wie halte ich diese Achterbahnfahrt aus, ohne schlaflose Nächte zu haben? Wenn du dir weniger Schwankungen im Depot wünschst, können Low-Volatility-ETFs ein spannender Baustein sein.

In diesem Beitrag schauen wir uns an, wie diese Strategie funktioniert, wo ihre Grenzen liegen – und stellen dir drei konkrete ETFs mit Kennzahlen vor, die für ein ruhigeres Depot infrage kommen.

Was Low-Volatility-ETFs eigentlich sind

Low-Volatility-ETFs investieren gezielt in Aktien, die in der Vergangenheit geringere Kursschwankungen als der Gesamtmarkt gezeigt haben. Typischerweise stammen viele Titel aus defensiven Branchen wie Versorgern, Basiskonsumgütern und Gesundheitsunternehmen, die in Krisen tendenziell stabiler laufen. Statt einen Standardindex wie den MSCI World eins zu eins nachzubauen, folgen diese ETFs speziellen Indizes wie dem MSCI World Minimum Volatility Index. Ziel ist ein Portfolio, das weniger schwankt und in Abschwüngen im Idealfall geringere Verluste verzeichnet als der breite Markt.

Die Low-Volatility-Anomalie: Weniger Risiko, ähnliche Rendite?

Nach der klassischen Finanztheorie sollte höheres Risiko langfristig mit höherer Rendite belohnt werden. Empirische Untersuchungen zeigen aber, dass Aktien mit niedriger Volatilität oft ähnliche oder sogar höhere Renditen bei geringerem Risiko erzielen – die sogenannte Low-Volatility-Anomalie.

Mögliche Erklärungen: Viele Investoren dürfen keine Kredite nutzen und kaufen daher bewusst riskantere Aktien, um ihre Rendite zu steigern – diese werden tendenziell überbewertet, während „langweilige“ defensive Titel unterbewertet bleiben. Andere Anleger jagen spekulative „Lotterie-Aktien“, während solide, stabile Geschäftsmodelle zu wenig Beachtung finden. Fondsmanager wiederum fürchten Underperformance in Bullenmärkten und sind deshalb oft zu offensiv positioniert.

Wie Minimum-Volatility-Indizes konstruiert werden

Oft wird angenommen, ein Low-Volatility-Index enthalte einfach die Aktien mit der niedrigsten historischen Schwankung. In der Praxis steckt meist ein Optimierungsmodell dahinter: Beim MSCI World Minimum Volatility Index wird aus dem MSCI World ein Portfolio konstruiert, dessen erwartete Gesamtschwankung möglichst gering ist.

Berücksichtigt werden dabei Volatilitäten einzelner Aktien, Korrelationen untereinander und Diversifikationseffekte. Eine Aktie kann also relativ volatil sein und trotzdem in den Index aufgenommen werden, wenn sie das Gesamtrisiko des Portfolios senkt. Zusätzlich gibt es Nebenbedingungen wie maximale Sektorabweichungen, Begrenzung einzelner Positionen und Turnover-Kontrollen.

Low Volatility-ETFs im Überblick

iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF (IE00B8FHGS14)

Dieser ETF setzt die Low-Volatility-Strategie weltweit um und ist einer der etabliertesten Vertreter.

  • Index: MSCI World Minimum Volatility
  • TER: 0,30 % p. a.
  • Fondsvolumen: über 2,2 Mrd. €
  • Replikation: physisch (optimiertes Sampling)
  • Ertragsverwendung: thesaurierend
  • Rund 280 Positionen, deutliche Übergewichtung defensiver Sektoren

Für Anleger, die global investieren und gleichzeitig Schwankungen glätten wollen, ist das ein klassischer Low-Volatility-Baustein neben einem normalen Welt-ETF.

Xtrackers MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF 1C (IE00BL25JN58)

Ebenfalls weltweit, aber mit leicht anderem Zuschnitt und niedrigeren laufenden Kosten.

  • Index: MSCI World Minimum Volatility
  • TER: 0,25 % p. a.
  • Fondsvolumen: rund 680 Millionen €
  • Replikation: physische Vollreplikation
  • Ertragsverwendung: thesaurierend

Wenn du Wert auf Kostenoptimierung legst und gleichzeitig eine globale Low-Volatility-Strategie suchst, ist dieser ETF eine interessante Alternative.

SPDR EURO STOXX Low Volatility UCITS ETF (IE00BFTWP510)

Dieser ETF konzentriert sich auf besonders schwankungsarme Aktien aus der Eurozone.

  • Index: EURO STOXX Low Risk Weighted 100
  • TER: 0,30 % p. a.
  • Fondsvolumen: etwa 30 Mio. €
  • Replikation: physische Vollreplikation
  • Ertragsverwendung: thesaurierend

Er eignet sich, wenn du dein Risiko im Euro-Raum gezielt senken möchtest – zum Beispiel als Ergänzung zu einem globalen Standard-ETF.

Vorteile für ein nervenschonendes Depot

Der offensichtlichste Vorteil von Low-Vol-ETFs sind geringere Kursschwankungen im Vergleich zu breit gestreuten Standardindizes. In vielen Krisenphasen sind defensive Value- und Qualitätsaktien weniger stark gefallen, was sich in niedrigeren Drawdowns von Minimum-Volatility-Indizes gegenüber ihren Mutterindizes widerspiegelt. Pychologisch ist das Gold wert: Wenn dein Depot in Crashphasen weniger stark einbricht, ist es leichter, investiert zu bleiben und nicht panisch am Tiefpunkt zu verkaufen. Selbst bei ähnlicher absoluter Rendite kann die risikobereinigte Rendite (Rendite je Einheit Risiko) besser sein. Ein Rechenbeispiel: Nach einem Verlust von 50 % brauchst du 100 %, um wieder auf Null zu kommen, nach 35 % reichen etwa 54 % – der Unterschied beim Stresslevel ist enorm.

Typische Schwächen und Missverständnisse

Low-Volatility-ETFs hinken in starken Bullenmärkten oft hinterher, besonders wenn wachstumsstarke Tech-Aktien den Markt treiben. Diese sind im Minimum-Volatility-Index meist untergewichtet oder gar nicht enthalten, sodass die Outperformance solcher Phasen nur begrenzt mitgenommen wird.

Zudem kommt es häufig zu Sektorkonzentrationen in defensiven Bereichen wie Versorger, Basiskonsum und Gesundheit – eine versteckte Wette, die Anleger im Blick behalten sollten. Viele Low-Volatility-Aktien verhalten sich durch stabile Dividenden und Cashflows etwas anleiheähnlich und litten daher überproportional, als die Zinsen stark gestiegen sind.

Wichtige Missverständnisse:

Low Volatility bedeutet nicht „kein Risiko“ – ein Low-Volatility-ETF kann in einem Bärenmarkt zweistellig im Minus liegen. Minimum Volatility ist nicht dasselbe wie Low Beta, da die gesamte Portfolio-Volatilität inklusive Korrelationen optimiert wird. Low-Volatility-ETFs sind nicht automatisch perfekt diversifiziert, sondern können deutliche Stil- und Sektorklumpen aufweisen.

Für wen eignen sich Low-Volatility-ETFs?

Low-Volatility-ETFs passen zu dir, wenn du Wertschwankungen als belastend empfindest, Crashs emotional schwer aushältst und bereit bist, auf ein Stück Renditepotenzial in Boomphasen zu verzichten. Sie eignen sich gut als stabilisierender Baustein neben einem klassischen Welt-ETF oder anderen Faktorstrategien und helfen dir, langfristig investiert zu bleiben. Entscheidend ist, dass du die Stärken und Schwächen der Strategie kennst und sie bewusst einsetzt – dann können ETFs wie der iShares und Xtrackers MSCI World Minimum Volatility oder der SPDR EURO STOXX Low Volatility helfen, dein Depot ruhiger durch die nächsten Turbulenzen zu bringen.

Disclaimer

Ausdrücklich weist die Smartbroker AG darauf hin, dass ein Investment in Wertpapiere und sonstige Finanzinstrumente im Sinne des WpHG grundsätzlich mit erheblichen Chancen und Risiken (Preis-, Markt-, Währungs-, Volatilitäts-, Bonitäts- und sonstigen Risiken) verbunden ist und ein Totalverlust des investierten Kapitals nicht ausgeschlossen werden kann. Die Smartbroker AG empfiehlt deshalb jedem Leser und jeder Leserin sich vor einer Anlageentscheidung intensiv mit den Chancen und allen Risiken auseinander zu setzen und sich umfassend zu informieren. Sämtliche verwendeten Wertentwicklungsangaben, sei es für die Vergangenheit oder im Sinne einer Prognose bzw. Einschätzung sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse bzw. Wertentwicklungen. Die hier angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Alle Informationen sind sorgfältig zusammengetragen, haben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind unverbindlich sowie ohne Gewähr. Des Weiteren dient die Bereitstellung der Information nicht als Rechtsberatung, Steuerberatung oder wertpapierbezogene Beratung und ersetzt diese nicht. Eine an den persönlichen Verhältnissen des Kunden ausgerichtete Anlageempfehlung, insbesondere in der Form einer individuellen Anlageberatung, der individuellen steuerlichen Situation und unter Einbeziehung allgemeiner sowie objektspezifischer Grundlagen, Chancen und Risiken, erfolgt ausdrücklich nicht.