Trumps Attacke auf die FED
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Trumps Attacke auf die FED
Die Folgen für die Märkte könnten massiv sein
Am Sonntag gab FED-Vorstand Jerome Powell bekannt, dass die FED vom US-Justizministerium vorgeladen wurde. Damit geht der Konflikt zwischen dem US-Präsidenten und der FED in die nächste Runde.
Trump stört, dass die Fed die Leitzinsen nicht so stark senkt, wie von ihm gewünscht. Die FED argumentiert, dass sie sich bei der Entscheidung einzig von den wirtschaftlichen Indikatoren und wissenschaftlichen Daten leiten lässt, nicht von politischen Wünschen.
Doch warum ist die Unabhängigkeit der Notenbank so wichtig?
Politiker legen bei Entscheidungen häufig Wert auf kurzfristige Auswirkungen, die für sie bzw. ihre Politik gut aussehen. Langfristig kann dies jedoch zu steigender Inflation, einem Wertverlust der jeweiligen Währung und damit zu wirtschaftlicher Instabilität führen. Wenn der Dollar dadurch massiv abgewertet wird, ist das zwar gut für den US-Export, wichtige Importgüter, die die USA aus anderen Staaten beziehen, verteuern sich damit aber.
Zu den Aufgaben einer Notenbank gehört es allerdings auch, dass die Preise stabil bleiben, die Inflation also auf einem niedrigen Niveau verbleibt. Das kann jedoch nur funktionieren, wenn die Notenbank unabhängig agieren kann und keine Rücksicht auf politische Forderungen nehmen muss.
Welche Folgen dieses Konflikts solltest du als Anleger einpreisen?
Kommt es tatsächlich dazu, dass die Unabhängigkeit der FED einer politischen Abhängigkeit weicht, kann das für die Märkte, und damit auch für dich als Anleger, durchaus gravierende Auswirkungen haben.
Die Renditen der US-Staatsanleihen werden wohl massiv ansteigen, heißt die Kurse werden sinken. Das ist schlecht für alle, die US-Staatsanleihen im Portfolio haben und nicht rechtzeitig verkauft haben.
Zwar können niedrige Leitzinsen positive Auswirkungen auf die Wirtschaft haben, allerdings kann eine steigende Inflation sich negativ auf die Kaufkraft im Inland auswirken.
Durch den Wertverlust des Dollars würde sich für dich auch die Rendite bestehender US-Wertpapierpositionen negativ auswirken. Wie genau das sich auswirken kann, haben wir hier beschrieben.
Vorteil eines schwachen Dollars wäre zwar, dass du US-Papiere dann günstiger einkaufen kannst, allerdings kannst du so noch schlechter abwägen, ob der Kurs des Dollars nicht noch weiter abstürzt und du damit nicht sogar noch größere Verluste machst.
Auswirkungen kann das auch auf den Preis von Gold und teilweise Silber haben. Da speziell Gold als sichere Anlage gilt, kann es dazu kommen, dass das glänzende Edelmetall als Alternative zu US-Staatsanleihen stärker nachgefragt. Am Tage nach Jerome Powells Video ging zumindest der Goldpreis bereits um über 2 % nach oben.
Auch der Kryptomarkt kann davon betroffen sein. Unter Umständen nutzen viele Anleger dann Kryptowährungen zur Diversifikation, was auch in dieser Assetklasse zu steigenden Kursen führen kann.
Wie wird der Vorgang von Marktbeobachtern eingeschätzt?
Fed-Chef Jerome Powell selbst äußert sich folgendermaßen zu Trumps Vorgehen: „Die Androhung strafrechtlicher Konsequenzen ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze auf der Grundlage unserer bestmöglichen Einschätzung dessen festlegt, was im Interesse der Öffentlichkeit liegt, anstatt den Präferenzen des Präsidenten zu folgen", zitiert Tagesschau.de. Weiter heißt es in dem Tagesschau-Bericht, laut dem Notenbankchef gehe es darum, „ob die Fed weiterhin in der Lage sein werde, die Zinssätze auf der Grundlage von Fakten und wirtschaftlichen Bedingungen festzulegen - oder ob die Geldpolitik stattdessen durch politischen Druck oder Einschüchterung bestimmt werde.“
In einem YouTube-Video von ntv Nachrichten ordnet Martin Lück von Macro Monkey die Wirtschaftspolitik Tumps in einem kurzen Interview ein. Der jüngste Angriff auf die Fed, aber auch die Forderung nach Streichung von Dividenden von Rüstungskonzernen oder die geforderte Deckelung von Kreditkartenzinsen und weitere Inhalte der Wirtschaftspolitik – sie alle schwächten weiter den Dollar. Lück betont, dass man jetzt in die Eigentumsrechte von Unternehmen eingreife. Als Aktionär von betroffenen US-Unternehmen wisse man schlichtweg nicht, ob die Regierung die damit verbundenen Eigentumsrechte einschränken werde. Als Anleger müsse man davon ausgehen, dass es eine höhere Risikoprämie für US-Aktien brauche, so der Kapitalmarktexperte im ntv-Interview weiter.
Reuters zitiert zum Beispiel Damien Boey, Portfolio Manager bei Wilson Asset Management, Sydney, der zu folgender Einschätzung kommt: „Fed-Chef Powell ist von seiner bisherigen Haltung gegenüber Trumps Drohungen abgewichen und hat sich diesmal entschieden, das Offensichtliche direkt anzusprechen – nämlich dass die Fed die Zinsen nicht so bewegt, wie es der Präsident gerne hätte. Als Reaktion auf die Ankündigung einer strafrechtlichen Untersuchung hat sich Gold erholt, Aktien sind ins Wanken geraten und die Zinsstrukturkurve hat sich leicht versteilt. Diese Entwicklungen entsprechen weitgehend dem Drehbuch für einen Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed. Interessant ist jedoch, dass sich die Zinsstrukturkurve zunächst bullish (anstatt bearish) versteilt hat, da Anleiheinvestoren der Ansicht sind, dass die Fed bereits in die vom Präsidenten gewünschte Richtung geht (Zinssenkungen) und dass ihre Reserve Management Purchases (RMPs) von Anleihen dazu beitragen, die Zinsvolatilität zu dämpfen.“
Businessinsider.de veröffentlicht ebenfalls erste Marktreaktionen, etwa eine Stellungnahme von Michael A. Gayed. Der Investmentmanager ordnet die Maßnahme demnach in seinem Lead-Lag-Substack-Newsletter als „ohne Beispiel in der modernen Geschichte“ ein. Womöglich könne dadurch ein Präzedenzfall geschaffen werden. Businessinsider zitiert Gayed weiter, dass sich die Anreizstruktur der Geldpolitik grundlegend ändern könnte, falls Investoren zu dem Schluss kommen, dass Fed-Vertreter rechtliche Konsequenzen für geldpolitische Entscheidungen zu befürchten hätten. Gayed zufolge könnten dadurch Inflationsrisiken stärker zu Buche schlagen und das Vertrauen in langfristige Geldanlagen geschmälert werden.
Insgesamt fallen die ersten Reaktionen im Markt besorgt aus, insbesondere was die Unabhängigkeit der FED anbelangt. Im Mai endet die Amtszeit von Jerome Powell. Aktuell gilt Kevin Hasset, Wirtschaftsberater des Weißen Hauses, als Nachfolger wahrscheinlich.
Aber: Womöglich entscheidet sich Trump kurzfristig doch noch für einen anderen Kandidaten. Der eher erratische Politikstil scheint bei den Marktteilnehmern bereits „eingepreist“ zu sein. Und: Powell wäre ja ohnehin demnächst aus dem Amt geschieden. Mögliche Zinssenkungen hat der Markt also bereits ein Stück weit antizipiert. Krasse Reaktionen an der Börse in Bezug auf die Fed blieben vermutlich auch deshalb bislang aus.
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