Versicherungen – stabiler Ruhepunkt im Depot?
Wen könnte dieses Thema interessieren?
Wenn es an der Börse knirscht, suchen viele Anleger Werte für ihr Depot, die weniger Volatilität aufweisen und zugleich aber gute Renditechancen versprechen. Eine Branche, die dann wieder verstärkt in den Fokus rückt, ist die Versicherungsbranche.
Versicherungen - einfach und langweilig?
Versicherungen haben eigentlich ein recht einfach zu verstehendes Produkt. Anhand bestimmter mathematischer Berechnungen werden Risiken definiert. Je nachdem, wie groß das Risiko im Vergleich zu anderen Risiken ist, wird eine Versicherungsprämie festgelegt. Die Summe der Versicherungsprämien innerhalb eines Versicherungsproduktes sollte demnach so hoch sein, dass daraus die Begleichung etwaiger Kosten der Versicherungsfälle genauso abzudecken ist, wie zu zahlende Provisionen und sonstige Kosten. Was dann übrig bleibt, ist der Gewinn. Dieses Modell funktioniert seit Jahrhunderten. Auch dank KI lassen sich Risiken immer besser berechnen und Kosten optimieren. Gerade bei Pflichtversicherungen, z.B. der KFZ-Haftpflichtversicherung, kommen die Kunden praktisch nicht umhin eine solche Versicherung abzuschließen. Sie können, um Kosten für sich zu sparen, höchstens den Versicherer wechseln.
Daher ist das Versicherungsgeschäft börsentechnisch eher langweilig. Riesige Verwerfungen, wie man sie bei anderen Branchen regelmäßig sieht, sind bei den börsennotierten Versicherungen eher selten. Zwar gab es auch schon Pleiten im Versicherungssektor und auch Fusionen sind nicht so selten, aber in der Gesamtheit geht es in der Branche vergleichsweise ruhig zu.
Auch immer wieder schön: Versicherungen zählen zu den Branchen, wo regelmäßig Dividenden ausgeschüttet werden. Und die Dividendenrenditen können sich wirklich sehen lassen. So hat die Münchener Rück in diesem Jahr 24 € Dividende ausgeschüttet, was eine Rendite von knapp 5 % bedeutet.
Doch wie bei allen vermeintlich „sicheren Häfen“ gilt auch hier: Ganz ohne Risiken ist die Branche natürlich nicht. Großschadensereignisse wie Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder Pandemien können die Bilanzen einzelner Versicherer zeitweise erheblich belasten. Gerade Rückversicherer, die Risiken anderer Versicherungen übernehmen, bekommen solche Entwicklungen direkt zu spüren. Allerdings zeigt sich auch hier häufig die Stärke des Geschäftsmodells: Schäden werden über viele Kunden, Regionen und Produkte verteilt. Zudem können Versicherer steigende Risiken oft über höhere Prämien an die Kunden weitergeben.
Ein weiterer Vorteil vieler Versicherungen ist ihr konservatives Geschäftsmodell. Die Unternehmen verwalten enorme Kapitalanlagen, die überwiegend in Anleihen, Immobilien oder solide Aktien investiert werden. Gerade in Zeiten höherer Zinsen verbessert sich dadurch häufig sogar die Ertragslage, weil Versicherer neue Gelder wieder attraktiver anlegen können. Was für andere Branchen zum Problem wird, kann für Versicherungen also durchaus Rückenwind bedeuten.
Für Anleger interessant ist außerdem die Marktstellung vieler großer Versicherer. Namen wie die Allianz oder die Münchener Rück genießen weltweit Vertrauen und verfügen über jahrzehntelang gewachsene Kundenbeziehungen. Gerade im Versicherungsgeschäft ist Vertrauen ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Wer seine Lebensversicherung, Berufsunfähigkeitsversicherung oder Altersvorsorge einmal abgeschlossen hat, wechselt oft nicht mehr so schnell den Anbieter.
Hinzu kommt: Versicherungen profitieren langfristig auch von gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Menschen werden älter, Vermögen steigen, neue Risiken entstehen. Themen wie private Altersvorsorge, Pflege, Cybersecurity oder Klimarisiken sorgen dafür, dass der Bedarf an Versicherungslösungen eher wächst als schrumpft.
Natürlich solltest du auch bei Versicherungsaktien genau hinschauen. Nicht jedes Unternehmen ist automatisch ein gutes Investment. Wichtig sind unter anderem eine solide Kapitalausstattung, eine verlässliche Dividendenpolitik und ein gutes Risikomanagement. Ebenso spielt die Bewertung der Aktie eine Rolle. Selbst ein hervorragendes Unternehmen kann an der Börse zu teuer sein.
Unterm Strich bleibt die Versicherungsbranche aber für viele Anleger ein interessanter Baustein im Depot. Wer weniger auf spektakuläre Kursraketen und mehr auf Stabilität, kontinuierliche Gewinne und attraktive Dividenden setzt, findet hier häufig Unternehmen mit langfristig berechenbarem Geschäftsmodell. Gerade in unsicheren Börsenphasen kann das ein beruhigender Faktor sein.
Versicherungs-ETF
Wenn du dich allerdings nicht auf einzelne Versicherungsunternehmen festlegen möchtest, kannst du auch über einen ETF nachdenken. Versicherungs-ETFs bündeln gleich mehrere Unternehmen aus der Branche und sorgen dadurch für eine breitere Streuung. Enthalten sind dabei häufig große internationale Konzerne aus den Bereichen Erstversicherung, Rückversicherung sowie teilweise auch Finanzdienstleister. Der Vorteil liegt auf der Hand: Du reduzierst das Risiko, das mit einzelnen Unternehmen verbunden ist. Gerät ein Versicherer einmal unter Druck, fällt dies innerhalb eines breit gestreuten ETFs deutlich weniger ins Gewicht. Gleichzeitig profitierst du dennoch von den grundsätzlichen Stärken der Branche – stabile Geschäftsmodelle, regelmäßige Dividendenausschüttungen und vergleichsweise robuste Gewinne.
Allerdings sollte man auch bei ETFs genauer hinschauen. Manche Produkte bilden nicht ausschließlich Versicherungen ab, sondern mischen Banken oder andere Finanzunternehmen bei. Zudem unterscheiden sich die ETFs hinsichtlich ihrer regionalen Gewichtung. Während einige stark auf US-Konzerne setzen, enthalten andere mehr europäische oder asiatische Versicherer. Der Amundi STOXX Europe 600 Insurance UCITS ETF Acc setzt z.B. ausschließlich auf europäische Versicherungsunternehmen. Die Verkaufsunterlagen zu diesem ETF findest du in deutscher und/oder englischer Sprache in der SMARTBROKER+ App auf der entsprechenden Profilseite unter dem Info-Tab.
Für langfristig orientierte Anleger können Versicherungs-ETFs dennoch eine interessante Möglichkeit sein, vergleichsweise defensiv in den Finanzsektor zu investieren, ohne sich intensiv mit einzelnen Geschäftsberichten beschäftigen zu müssen. Gerade für Anleger, die auf kontinuierlichen Vermögensaufbau und Dividenden setzen, kann die Branche damit auch über ETFs ein stabilisierender Bestandteil des Depots sein.
Disclaimer
Ausdrücklich weist die Smartbroker AG darauf hin, dass ein Investment in Wertpapiere und sonstige Finanzinstrumente im Sinne des WpHG grundsätzlich mit erheblichen Chancen und Risiken (Preis-, Markt-, Währungs-, Volatilitäts-, Bonitäts- und sonstigen Risiken) verbunden ist und ein Totalverlust des investierten Kapitals nicht ausgeschlossen werden kann. Die Smartbroker AG empfiehlt deshalb jedem Leser und jeder Leserin sich vor einer Anlageentscheidung intensiv mit den Chancen und allen Risiken auseinander zu setzen und sich umfassend zu informieren. Sämtliche verwendeten Wertentwicklungsangaben, sei es für die Vergangenheit oder im Sinne einer Prognose bzw. Einschätzung sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse bzw. Wertentwicklungen. Die hier angebotenen Beiträge dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Alle Informationen sind sorgfältig zusammengetragen, haben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind unverbindlich sowie ohne Gewähr. Des Weiteren dient die Bereitstellung der Information nicht als Rechtsberatung, Steuerberatung oder wertpapierbezogene Beratung und ersetzt diese nicht. Eine an den persönlichen Verhältnissen des Kunden ausgerichtete Anlageempfehlung, insbesondere in der Form einer individuellen Anlageberatung, der individuellen steuerlichen Situation und unter Einbeziehung allgemeiner sowie objektspezifischer Grundlagen, Chancen und Risiken, erfolgt ausdrücklich nicht.