Anthropic-Aktie kaufen? Was die neuen Zahlen und 4.110 Börsengänge verraten
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Vielleicht arbeitest du längst mit Claude. Bald kannst du auch Aktien des Unternehmens dahinter kaufen: Anthropic will noch im November an die Nasdaq, und kurz vor dem Start liegen neue Zahlen auf dem Tisch.
Der Umsatz wächst so schnell wie bei kaum einem Unternehmen zuvor, trotzdem ist Anthropic im dritten Quartal operativ wieder ins Minus gerutscht. Der Grund dafür überrascht. Und eine Auswertung von 4.110 Börsengängen zeigt, wie hoch die Messlatte für die Aktie liegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Termin: Geplant ist laut Wall Street Journal ein Start unter dem Kürzel ANT an der Nasdaq in der Woche ab dem 16. November. Nach dem Tech-Ausverkauf vom 5. November könnte sich der Börsengang laut Reuters aber verschieben.
- Neue Zahlen: Rund 17 Milliarden Dollar Umsatz im dritten Quartal, gut zwölfmal so viel wie im Vorjahr, aber ein operativer Verlust von 567 Millionen Dollar.
- Bewertung: Zuletzt waren 1,5 bis 2 Billionen Dollar im Gespräch. Nach dem Ausverkauf halten große Investoren laut Wall Street Journal und Reuters selbst 1,5 Billionen für zu hoch.
- Zeichnung: Laut Bloomberg könnten 15 bis 20 Prozent der angebotenen Aktien an Privatanleger gehen. Eine Zuteilung ist nicht garantiert.
- Schon jetzt handelbar: Zertifikate von CMC Markets auf einen Anthropic-Index, keine Aktien und mit eigenen Risiken.
Wann geht Anthropic an die Börse?
Anthropic will im November 2026 an die Nasdaq. Laut Wall Street Journal ist der erste Handelstag für die Woche ab dem 16. November geplant, also noch vor Thanksgiving, offiziell bestätigt ist das nicht. Den Börsenprospekt, das sogenannte Form S-1, hat Anthropic am 26. Oktober bei der US-Börsenaufsicht SEC veröffentlicht, am 2. November folgten die Quartalszahlen. Was im durchgesickerten Entwurf stand, haben wir in unserem ersten Beitrag zum Anthropic-Börsengang eingeordnet. Ab der Woche des 9. November dürfte die Roadshow bei Großinvestoren laufen. Erwartet wird, dass Anthropic dann eine Preisspanne nennt. Ob es dabei bleibt, ist offen: Nach einem heftigen Ausverkauf bei Tech-Aktien am 5. November zweifeln potenzielle Investoren laut Reuters daran, dass Roadshow und Börsengang wie geplant im November stattfinden. Anthropic könnte den Börsengang verschieben, bis sich die Märkte beruhigt haben.
Anthropic-Zahlen: Rekordumsatz und trotzdem Verlust
Auf den ersten Blick passt es nicht zusammen. Im dritten Quartal setzte Anthropic rund 17 Milliarden Dollar um, im Vorjahresquartal waren es 1,4 Milliarden. Die Zahl der Kunden, die in zwölf Monaten mindestens 100.000 Dollar ausgeben, stieg binnen eines Jahres von rund 950 auf mehr als 11.900. Nach einem operativen Gewinn von 974 Millionen Dollar im zweiten Quartal steht jetzt trotzdem ein Verlust von 567 Millionen Dollar in den Büchern.

Die Erklärung steht im Prospekt. Rechenleistung bucht Anthropic normalerweise 12 bis 18 Monate im Voraus. Im dritten Quartal wollten aber mehr Kunden mit Claude arbeiten, als diese Kapazität hergab, also kaufte Anthropic für rund 5 Milliarden Dollar kurzfristig und deutlich teurer nach. Dazu kam eine Sonderbelastung von 2 Milliarden Dollar ohne Geldabfluss, weil Anthropic Spenden seiner Beschäftigten mit eigenen Aktien ergänzt. Der Verlust hat also viel mit zu viel Nachfrage zu tun. Er zeigt aber auch, wie teuer es wird, wenn die Rechenleistung nicht mit dem Wachstum Schritt hält.
Und dieses Wachstum verliert an Tempo. Zum Vorquartal legte der Umsatz um 47 Prozent zu, im zweiten Quartal waren es noch 144 Prozent. Der Nettoverlust von 104 Milliarden Dollar in den ersten neun Monaten klingt dagegen dramatischer, als er ist: Er entsteht größtenteils durch die Neubewertung von Wandelanleihen und ähnlichen Finanzinstrumenten, ohne dass Geld abfließt.
Schwerer wiegen die festen Zusagen. Anthropic hat sich verpflichtet, Rechenleistung und Infrastruktur für rund 895 Milliarden Dollar abzunehmen. Diese Verträge laufen über Jahre, den Umsatz muss Anthropic dagegen Quartal für Quartal neu verdienen. Als Polster lagen zum 30. September rund 132 Milliarden Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen bereit.
Anthropic-Bewertung: Wie viel ist das Unternehmen wert?
Im Mai bewerteten Investoren Anthropic in einer Finanzierungsrunde mit 965 Milliarden Dollar. Für den Börsengang standen zuletzt 1,5 bis 2 Billionen im Raum. Nach einem Ausverkauf bei Tech-Aktien Ende Oktober haben große Investoren laut Wall Street Journal signalisiert, dass sie eher 1,5 bis 1,6 Billionen für angemessen halten. Auch NYU-Professor Aswath Damodaran, einer der bekanntesten Bewertungsexperten, kommt in seinem Modell auf knapp 1,5 Billionen. Nach dem erneuten Einbruch bei Tech-Aktien am 5. November halten große Investoren laut Wall Street Journal und Reuters inzwischen selbst 1,5 Billionen für zu hoch, einzelne nennen eher 1 Billion Dollar.
Das US-Magazin Fortune hat nachgerechnet: In den vergangenen vier Quartalen setzte Anthropic rund 35 Milliarden Dollar um. Bei 1,5 bis 2 Billionen zahlst du als Käufer also das 43- bis 57-Fache des Jahresumsatzes. Der IPO-Forscher Jay Ritter von der University of Florida hat 4.110 US-Börsengänge der Jahre 1980 bis 2024 ausgewertet, jeweils von Unternehmen mit mindestens 100 Millionen Dollar Jahresumsatz. Nur 14 davon kamen mit dem rund 40-Fachen des Umsatzes oder mehr an die Börse. Gemessen ab Ausgabepreis über bis zu drei Jahre lagen sie durchschnittlich 15,4 Prozent hinter dem Gesamtmarkt.
Ein Urteil über Anthropic ist das nicht: Einige der 14 haben den Markt geschlagen, und kaum ein Unternehmen ist je so schnell gewachsen.
Was der SpaceX-Börsengang Anlegern gezeigt hat
Der Vergleich liegt nahe, denn SpaceX hat im Juni den bislang größten Börsengang der Geschichte hingelegt (unser Überblick zum SpaceX-IPO). Ausgegeben zu 135 Dollar, stieg die Aktie vier Tage später zeitweise auf 225,64 Dollar. Mitte Juli rutschte sie erstmals unter den Ausgabepreis, Ende Oktober notierte sie wieder ungefähr dort. Wer zugeteilt bekommen hatte, stand nach viereinhalb Monaten also etwa bei null, wer in den ersten Tagen gekauft hatte, deutlich im Minus.
Als ein Grund für das Auf und Ab galten die Lock-ups: Haltefristen, nach deren Ablauf Alt-Aktionäre nach und nach verkaufen dürfen. Bei Anthropic dürfen Führungskräfte und bestimmte Beschäftigte laut Prospekt schon am ersten Handelstag bis zu 10 Prozent ihrer gesperrten Aktien verkaufen.
Kann ich die Anthropic-Aktie zeichnen?
Laut Bloomberg erwägt Anthropic, 15 bis 20 Prozent der angebotenen Aktien für Privatanleger zu reservieren, auch in einigen europäischen Ländern. Beschlossen ist das noch nicht. Und selbst dann ist eine Zuteilung kein Selbstläufer: Bei SpaceX wollten Privatanleger laut Bloomberg für über 100 Milliarden Dollar Aktien haben. Bei so starker Überzeichnung bekommst du womöglich nur einen Bruchteil der gewünschten Aktien oder gar keine.
Der andere Weg führt über den ersten Handelstag. Dann zahlst du den Börsenkurs statt des Ausgabepreises, bei SpaceX lag der erste Kurs 15 Dollar darüber. Bis überhaupt ein erster Kurs zustande kommt, können bei großen Börsengängen Stunden vergehen, und die Nasdaq öffnet erst um 15:30 Uhr deutscher Zeit. Mit einem Limit legst du vorher fest, wie viel du höchstens zahlst. US-Aktien kannst du bei SMARTBROKER+ übrigens auch direkt an der Heimatbörse handeln.
Vorsicht bei Angeboten, die dir Anthropic-Aktien schon vor dem Börsengang versprechen, etwa per Messenger oder über Social Media. Anthropic warnt selbst, dass Anteile, die ohne Zustimmung des Unternehmens verkauft werden, nicht als Aktien anerkannt werden. Woran du solche Maschen erkennst, haben wir für dich zusammengefasst.
Anthropic schon vor dem Börsengang handeln: Zertifikate auf den Anthropic-Index
Seit dem 26. Oktober gibt es an der Börse Stuttgart Zertifikate von CMC Markets auf einen Anthropic-Index. Weil es noch keine Aktie gibt, nutzt der Index die Preise sogenannter Perpetual Contracts. Das sind Derivate ohne Laufzeit, die an mehreren Kryptobörsen wie Binance, OKX und Kraken gehandelt werden und die Erwartungen an Anthropics Bewertung widerspiegeln können.
Drei Beispiele aus dem Angebot:
- CMC Tracker auf den Anthropic-Index (DE000CMC00A2) folgt dem Index eins zu eins, ohne Hebel.
- CMC Open-End-Turbo Long auf den Anthropic-Index (DE000CMC9F31) setzt mit Hebel auf einen steigenden Index.
- CMC Open-End-Turbo Short auf den Anthropic-Index (DE000CMC9FB6) setzt mit Hebel auf einen fallenden Index.
Der Index ist kein Aktienkurs und kann deutlich vom späteren Börsenkurs abweichen. Laut CMC Markets basiert er auch nach dem Börsengang weiter auf den Derivaten. Mit den Zertifikaten erwirbst du keine Beteiligung an Anthropic, und Index wie Zertifikate stammen von Dritten, nicht von Anthropic. Der Index wird in US-Dollar berechnet, der Wechselkurs wirkt also mit. Fällt die Emittentin aus, droht auch beim Tracker der Totalverlust. Bei den Turbos verstärkt der Hebel Gewinne wie Verluste, und erreicht der Index die Knock-out-Schwelle, verfällt das Produkt. Dein Einsatz kann dann vollständig verloren sein.
Im Durchschnitt erleiden 7 von 10 Kleinanlegern Verluste beim Handel mit Turbo-Zertifikaten. Turbo-Zertifikate sind hoch risikoreiche Produkte und nicht für langfristige Anlagestrategien geeignet.
Du willst die Bewertung erst einmal nur beobachten? Dann setz dir den Tracker auf deine Watchlist oder stell einen Preisalarm ein. Die App meldet sich, sobald dein Wunschpreis erreicht ist.
Die Verkaufsunterlagen zu jedem verlinkten Produkt findest du in der App auf der jeweiligen Produktseite unter dem Reiter „Info“. Mehr zu Hebelprodukten liest du auf unserer Seite zu Derivaten.
Fazit: Riesige Nachfrage, hohe Erwartungen
Die neuen Zahlen zeigen beide Seiten: eine Nachfrage, die selbst die eigene Rechenleistung übersteigt, und Verpflichtungen, die mit ihr wachsen. Die Statistik spricht eher gegen so hohe Bewertungen, schließt Ausnahmen aber nicht aus. Und bei einem Börsengang, über den alle sprechen, ist die Angst, etwas zu verpassen, ein schlechter Ratgeber. Ob du zeichnest, am ersten Tag kaufst oder erst einmal zuschaust: Entscheide so, dass dich ein Rückgang von 40 Prozent nicht aus der Bahn wirft. Bei SpaceX lagen zwischen Hoch und Tief nur wenige Wochen.
Sobald Preisspanne und Termin feststehen, aktualisieren wir diesen Beitrag. Und in unserem Weekly-Newsletter halten wir dich auf dem Laufenden.
Häufige Fragen zur Anthropic-Aktie
Wann geht Anthropic an die Börse? Laut Wall Street Journal ist der Handelsstart unter dem Kürzel ANT an der Nasdaq für die Woche ab dem 16. November geplant, offiziell bestätigt ist das noch nicht. Nach dem Tech-Ausverkauf vom 5. November ist laut Reuters auch eine Verschiebung möglich.
Was kostet eine Anthropic-Aktie? Das ist noch offen. Erwartet wird, dass Anthropic zum Start der Roadshow eine Preisspanne nennt. Zuletzt wurde eine Bewertung von 1,5 bis 2 Billionen Dollar diskutiert, nach dem Ausverkauf vom 5. November halten große Investoren aber selbst 1,5 Billionen für zu hoch.
Haben Aktionäre bei Anthropic ein Mitspracherecht? Nur begrenzt. Eine einzige Aktie, gehalten von einer Gesellschaft der Mitgründer, bündelt laut Prospekt vorerst 50,1 Prozent der Stimmrechte. Die Mehrheit im Board wählt ein unabhängiger Trust, der darüber wacht, dass Anthropic als Public Benefit Corporation neben den Aktionären auch dem Gemeinwohl verpflichtet bleibt.
Gibt es eine Claude-Aktie? Nein. Claude ist der KI-Assistent von Anthropic. Wer auf Claude setzen will, kauft Aktien von Anthropic, die unter dem Kürzel ANT an die Nasdaq kommen sollen.
Welche ISIN hat die Anthropic-Aktie? Spätestens zum Börsengang steht die ISIN fest. Kennungen wie „NETANTHRO000“ auf manchen Finanzportalen sind interne Platzhalter, keine echten Wertpapierkennnummern.
Kann ich die Anthropic-Aktie in Deutschland kaufen? Zeichnen kannst du nur über Banken und Broker, die beim Börsengang Aktien zugeteilt bekommen, eine Zuteilung ist nicht garantiert. Nach dem Börsengang kaufst du die Aktie wie andere US-Aktien zum Börsenkurs. Schon jetzt gibt es Zertifikate auf den Anthropic-Index.
Quellen: Anthropic, Form S-1 vom 26.10.2026 und Änderung vom 02.11.2026 (SEC); Wall Street Journal, 02.11. und 05.11.2026; Reuters, 05.11.2026; Bloomberg, 27.10.2026; Fortune, 03.11.2026; CNBC; Business Insider; CMC Markets; The Index Bakery. Stand: 06.11.2026.
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